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12.02.2026

Was die KI nicht lernen kann: Lebenserfahrung, Urteilsfähigkeit, Selbstkenntnis.

In unserem Webinar „Future Skills & Selbstbestimmung" haben wir gestern Abend mit über hundert Familien darüber gesprochen, was junge Menschen heute brauchen, um den beruflichen Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.

Unsere Gäste Ragnhild Struss (Gründerin, Struss & Claussen Personal- und Karriereberatung) und Prof. Dr. Isabell Welpe (Lehrstuhl Strategie und Organisation, TU München) haben 75 Minuten lang aus zwei Blickwinkeln in dieselbe Richtung gewiesen.

Die Kernfrage: Wenn Wissen überall zugänglich ist, was zählt dann noch?

Prof. Dr. Welpe sprach von „tazitem Wissen“ also allem Wissen, welches nicht in Büchern zu finden ist: Lebenserfahrung, Netzwerke über Fachgrenzen hinweg, Urteilsfähigkeit. Das fehle den KI-Modellen als Trainingsdaten und wird daher an Bedeutung gewinnen. Wichtiger als Leistungssignale seien künftig Fähigkeiten, so Prof. Dr. Welpe: „Man kann auch ohne Abschluss ein gutes Leben führen. Aber ohne Fähigkeiten wird man es schwer haben."

Ihr Rat: Universitäten danach aussuchen, wo besonders das soziale Miteinander gefördert wird. Sie zählt dazu die angelsächsischen Hochschulen wie Cambridge mit seinen Colleges, MIT mit über 550 Studentenclubs aber auch hierzulande die WHU, CODE Berlin, ETH oder TUM.

Ragnhild Struss nannte drei Core Skills: Selbstwirksamkeit, Kommunikationsfähigkeit und kritisches Denken. Kannst du erklären, was dich antreibt? Wie du mit Rückschlägen umgegangen bist? Das wird in Bewerbungsgesprächen der Zukunft zählen.

Ihr Satz, der hängen blieb: „Jeder hat schon angelegte Fähigkeiten, die man ausbauen kann“. Die gilt es zu erkennen und dann herauszufinden, „wo kann ich am besten mein Potenzial einbringen?“

AI Literacy sehen beide als unverzichtbar. In den USA ist man schon weiter und setzt Tool Kompetenzen voraus, während man in Deutschland noch über Copilot-Lizenzen diskutiert. Ragnhild Struss wies auf das Dilemma „Seniority Gap“ hin: Wenn Entry-Level-Jobs wegfallen, wie bauen junge Menschen dann die nötige Erfahrung auf? Firmen müssen hier stärker Verantwortung übernehmen und Erfahrung vermitteln („embodied Cognition“).

Beide Referentinnen waren sich einig: Der Weg geht von innen nach außen. Nicht jeder muss mit 17 nach Cambridge. Wer sich selbst kennt und Selbstwirksamkeit aufbaut, kann das überall tun. Das nimmt den Druck raus.

Eine Warnung kam auch: Eine MIT-Studie zeigt, dass schon nach drei Monaten KI-Nutzung die Denkfähigkeit messbar nachlässt. Für Prof. Welpe ist das gravierender als Social Media.

Ganz herzlichen Dank an Ragnhild Struss und Prof. Dr. Isabell Welpe für diesen dichten, anregenden Abend!

Das Webinar zum Nachhören gibt es hier.

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